Traude Fritz:
Ihr Leben gehört dem Ortsfriedhof

Neues hat begonnen in Simmering, und es wird Zeit, nach vorne zu blicken in Richtung zukunfts-weisender, innovativer Projekte. Diese sind - wie könnte es anders sein - unter anderem die Intention eines Menschen, der zweifachen Walter-Nettig-Preisträgerin und Verwalterin des Simmeringer Ortsfriedhofes Traude Fritz!

Die Familie Rinnböck gehörte einst zu den großen und bedeutenden Simmeringer Familien. Der 1880 verstorbene Gemeinderat Josef Rinnböck ist sogar der Namenspatron einer Straße im Bezirk.

Die Renovierung der verfallenden Grabkapelle von Josef Rinnböck und seiner Familie hat sich nun die vielseitige Künstlerin und Friedhofsgärtnerin Traude Fritz zum Ziel gesetzt. Die neugotische Kapelle steht auf dem Simmeringer Friedhof unterhalb der Alt-Simmeringer Kirche und gehört zu den besonderen Juwelen dieses Gottesackers. Leider ist die einst so wichtige Familie schon seit langem ausgestorben und so verfällt die romantische Kapelle, die mit ihren Strebepfeilern und Arkadenfenstern ein herausragendes Beispiel neugotischer Kunst in Simmering ist.

In den Jahren ihrer Arbeit bei der Betreuung und Pflege von Gräbern auf dem Simmeringer Friedhof ist Traude Fritz viele Male an der Kapelle vorbeigekommen. Und dabei musste sie mitansehen, wie die Kapelle immer unansehnlicher wurde und dem Zahn der Zeit zum Opfer fiel.

Traude Fritz ist in dritter Generation auf dem Simmeringer Friedhof tätig. Ihr Großvater begann dort 1929 mit der gärtnerischen Betreuung der Gräber. Davor war die Familie jahrhundertelang in Pötzleinsdorf im heutigen 18. Bezirk ansässig, wo die ersten Gärtner ihrer Familie schon im 17. Jahrhundert nachweisbar sind. Es wird vermutet, dass die tatsächlichen Ursprünge, welche auf eine Weinbaudynastie zurückgehen, zu den Rieden an den Hängen des Wienerwaldes zur Zeit der Kelten zurückreicht.

Nach ihrem Großvater und ihrer Mutter ist nun Traude Fritz auf dem Simmeringer Friedhof tätig. Und einen Sinn für Kunst hat sie immer schon gehabt. Schon als Kind zeigte sich ihre hervorragende Stimme, und schon seit Jahren gibt die ausgebildete Sängerin neben der Betreuung von Gräbern Konzerte. Ihre kräftige Altstimme ist ihr Markenzeichen. Ihr Repertoire spannt sich aber auch über Mozart- und Operetten- und Musicalmelodien bis hin zu Frank Sinatra. Ihre Konzertreisen haben sie schon in die Festspielstadt Salzburg und sogar bis nach London geführt, wo sie die Ehre hatte, in Saint-Martin-in-the-Fields auftreten zu dürfen.

Aber nicht nur in der Musik drückt sich das künstlerische Talent von Traude Fritz aus, sondern auch in der Fotografie. Ihre Werke hat sie schon in einigen Fotokunst-Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So verbinden sich in ihrer Arbeit Kunst und Natur zu einem harmonischen Ganzen, wobei die Ausgestaltung von Grabstellen immer im Vordergrund stehen wird. Eine erstklassige Friedhofsgärtnerei "in Schwung" zu halten, liegt ihr schon aus dynastischen Gründen im Blut.

Mitstreiter für ihr Vorhaben hat Traude Fritz schon gefunden. Jetzt fehlen noch kunstsinnige Sponsoren, die bereit wären, die erforderlichen Arbeiten zu finanzieren.

Wer mehr über Traude Fritz wissen möchte, über Job, Lebensweg, Preise, Auszeichnungen, Zeitungsberichte, Musik und Fotos, kann sich auf der Homepage www.traudl.com informieren.


Quelle: Wiener Bezirkszeitung, Ausgabe 3/2004


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